Von der Verantwortung jeder Jury.

Jede Kommunikations-Jury trägt große Verantwortung – zuerst gegenüber den Einreichern, deren Arbeit sie fair zu bewerten hat. Noch viel mehr Verantwortung trägt sie jedoch gegenüber der Branche, in deren Namen sie entscheidet.

Das Urteil einer Jury legt fest, wer die Besten einer Zunft sind. Es honoriert herausragende Leistungen und belohnt sie. Mit Edelmetallen zeigt sie auf, wo die Messlatte für Qualität in einem Wirtschaftszweig liegt. Und: Juries schaffen Transparenz – ganz besonders wichtig für eine Branche, in der es nicht ganz einfach ist, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, was andere für (Event)-Konzepte umsetzen.

Seit der ADC sich leider in erster Linie mit lustigen oder karitativen Werber-Promotions beschäftigt, ist der FAMAB Award als einziger Wettbewerb übrig geblieben, wenn man wissen möchte, was speziell in Deutschland so „veranstaltet“ wird. Dass die „berufene“ Jury dieses Verbandes seit Jahren fehlerhaft juriert ist bekannt, so blamiert wie 2015 hat sie sich allerdings länger nicht. Warum das so beklagenswert ist, haben Sie bereits im zweiten Absatz gelesen. Warum ich mich berufen fühle, dies anzuprangern, lesen Sie ein Stückchen weiter unten.

Kommen wir zu den Ergebnissen. Mit ungebremster „Auszeichnungswut“ findet die Jury in lediglich 139 Einreichungen (mit vielen Projekten, die gleich mehrfach in verschiedenen Kategorien eingereicht wurden, also von dieser Zahl noch abgezogen werden müssten) eine schier unglaubliche Zahl von Gewinnern – nämlich 41 Preisträger! Sportliche 30% aller Mitspieler haben also gewonnen – das allein sollte ausreichen, um die Wertigkeit dieses Preises ernsthaft in Zweifel zu ziehen. Zum Vergleich: seriöse, anspruchsvolle Wettbewerbe wie D&AD, New York Festivals, Eurobest oder der ADC begnügen sich zumeist mit 5-10% Gewinnern.

Auch über die lustigen und von wenig Marketing (oder Englisch-) Kenntnissen zeugenden Kategorien (Best Smart Stand, Best Guerilla Event) könnte man vortrefflich lästern. Oder über die neue „Auszeichnungs-Super-Farbe“ Weiß, die allerdings so wertig sein soll wie Gold. Aha.

Wenn man kritisch (und manchmal emotional) über die Arbeit von Kollegen schreibt, wird man ruckzuck mit dem Vorwurf der Kolllegen-Schelte konfrontiert. Da ich aber erstens schon seit Jahren kein Kollege mehr bin, sondern ausschließlich lehre, unterrichte und als Juror in bisher 20 Kommunikations-Juries (10 mal davon als Präsident oder Vorsitzender) berufen wurde, tue ich das nun trotzdem – oder gerade deshalb.

Nicht um jemanden zu ärgern, sondern um das Bewusstsein für Qualität zu schärfen und um eine überfällige Diskussion darüber anzustoßen, warum so viele Events weniger leisten, als sie leisten könnten und deshalb auch weniger gut wirken.

Weiter geht es in ein paar Tagen an dieser Stelle. Mit einem Blick auf die Gewinner. Bleiben Sie dran. Viel Vergnügen.

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